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Mut zum Widerstand

Exkursion zur Reihe „Widerstand im Dritten Reich“ im St. Paulusheim

„Der deutsche Name bleibt für immer geschändet, wenn nicht die deutsche Jugend endlich aufsteht, rächt und sühnt zugleich,..“ (letztes Flugblatt der Weißen Rose)
Vollkommen überraschend überrumpelte Frau Wessels am 8.11.2018 ihren Deutschkurs, mit der Mitteilung, das dieser an eben jenem Tag eine Exkursion ins nahegelegene St. Pauluszentrum unternehmen würde.
Dort fand anlässlich der Reichspogromnacht vor 80 Jahren eine Themenwoche zum „Widerstand im dritten Reich“ statt.
Da uns Frau Wessels vor einem ungemein steilen Aufstieg warnte, waren wir schon vollends überzeugt, das sich dieser Ausflug eigentlich nicht lohnen könne.
Aber da Lehrer Lehrer und Schüler nun mal nur Schüler sind, wurden rasch alle Sachen gepackt und der Weg angetreten.
Nach einem kurzweiligen Fußmarsch und doch nicht allzu steilem Anstieg kamen wir an unserem Ziel an.
Gemeinsam setzten wir uns in die Aula und da auch die Schüler des Pauluszentrums sich den Vortrag nicht entgehen lassen wollten, füllte sich diese in Windeseile bis auf den letzten Platz. Nach Einkehr allgemeiner Ruhe wurden wir von Herrn Zepp, dem Schulleiter, mit einer kurzen Begrüßung und Zusammenfassung der bereits vorangegangenen Thementage, begrüßt, bis dieser schließlich das Mikrofon an den Redner Pater Dr. Klaus Mertes übergab.
Während seines rund eineinhalbstündigen, äußerst aufschlußreichen Vortrages, stellte er vor allem den Widerstand der „kleinen Leute“ in den Vordergrund und versuchte in Verbindung mit einer im Pauluszentrum befindlichen Ausstellung, deren Hintergründe, Wirken und Gedankengänge zu beleuchten.
Immer wieder trat er dabei mit dem Auditorium in den Dialog und es kristallisierten sich zwei Fragen heraus. „Warum eigentlich „kleiner“ Widerstand?“ und „Lohnt sich das überhaupt?“ Unter Zuhilfenahme eindrucksvoller, zeitgeschichtlicher Filmdokumente (unter anderem Aufnahmen von Verhandlungen des Volksgerichtshofes), gelang ihm eine knisternde Anspannung und Bedrückung bei den Zuhörern hervorzurufen und gleichzeitig die Psyche Hitlers zu beleuchten.
In mehreren Beispielen zeigte er auf, mit welchen Schwierigkeiten der Widerstand, teilweise unterschiedlichster religiöser und politischer Strömungen und Ansichten, zu kämpfen hatte.
Nach einem kurzen Ausschnitt des Filmes „Sophie Scholl“, wurde den Anwesenden das „letzte Flugblatt“ der „Weißen Rose“ ausgeteilt.
Hier hob Pater Mertes insbesondere die eingangs erwähnte Stelle hervor und betonte welche Bedeutsamkeit Widerstand und Sühne nicht nur für das damalige Deutschland, sondern auch für die Zeit nach der Diktatur, bis hinein in die Gegenwart darstellt.
Nur durch Widerstand und Sühne bestand für den Rest der Welt eine Möglichkeit zu Verzeihen. Die zwei „großen“ Fragen des Vortrages waren nun eigentlich geklärt und der Referent ging in eine letzte Dialogrunde mit dem gespannt lauschenden Plenum.
Hierbei wurde festgestellt, das die Frage „Lohnt sich das?“ für einige doch noch nicht zur vollständigen Zufriedenheit bearbeitet worden war.
Pater Mertes griff diese Frage nocheinmal auf, indem er deutlich machte, das er es zwar selbst sicherlich für lohnenswert halte, er jedoch nicht wisse, ob er selbst in vergleichbaren Lagen stets genauso handeln würde.
Hierbei spann er einen Faden in die Gegenwart und offenbarte allen eine weitergehendes Verständnis von Widerstand.
Dieser ist nicht nur ein Streiten wider etwas, sondern auch eine innere Selbsterkenntnis, denn Widerstand beginnt dort, und ist dort von Nöten, wo man ein „EIGENTLICH ist das nicht richtig“, feststellt.
Und so wurde uns bewusst das Widerstand manchmal auch in kleinen Dingen des ganz normalen Alltag aufkeimen sollte, sei es beim Eintreten gegen Mobbing oder Ungerechtigkeiten im Zusammenleben.
Nach einem gemeinsamen Erinnerungsfoto mit Pater Mertes endete unsere Exkursion und wir verließen mit vielen neuen Gedanken und Impulsen das St. Pauluszentum.
Zurück im Sancta stellten wir fest, das sich die Exkursion nicht nur eigentlich, sondern wirklich gelohnt hatte.
Text/Foto: Fabian Seyb

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